coffeelove
Sommer in den Bergen.

Frankfurt war uns zu heiß geworden. Die Schwüle drückte, die Autos rauschten und er erstickte an seinem Arbeitskram, ich ächzte unter meinen Akten. Was blieb war die Flucht, das Davonstehlen - 6 Zugstunden später kamen wir ins Idyll. Postkartenwelt, und wir, hineingefallen.
Das alte Haus knarzt, der Herd braucht ewig um den Käse im großen Topf zu schmelzen, die Betten quietschen. Um uns herum die Berge, aus jedem Fenster ein anderer, jeden Tag erklimmen wir einen anderen.
Er hält Schritt, er spornt mich an, er hält mich oben fest, als wir angekommen sind und die Höhenangst unermesslich wird. Wir verbrennen unsere Haut am Fuß des Gletschers. Wir treffen die Kühe, deren Milch wir in unseren Kaffee schütten. Wir sind gemeinsam sprachlos im Angesicht all dieser Wirklichkeit, weit weg von digitalen Erlebnissen. Mir schwindelt nicht nur aufgrund der Höhe.

Ich verliebe mich innerhalb von 7 Tagen 20 mal neu in ihn. Er läuft hinter mir und verliebt sich 20 mal neu in meinen Po. Und in mein Lachen, wenn wir mit den Wolken auf Augenhöhe sind, ganz plötzlich.

Als wir den Zug zurück nehmen, lege ich meine schmerzenden Beine über seine, höre Jupiter Jones und schaue ihm beim Kreuzworträtseln zu.

Mein Weltenentdecker. Mein Lebensretter. Mein Mann.
14.8.15 19:40


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Angekommen.

Zugegeben, wir haben dieses Wochenende viel gestritten. Immer wieder, über die unterschiedlichsten Themen. Er hat Stress, ich hab Stress. Da explodiert man leicht mal, wirft sich unfaire Vorwürfe an den Kopf und merkt 30 Minuten später, dass man ein Vollidiot war. Versöhnung, und dann im Zweifel alles wieder von vorn. Das Leben ist kein Ponyhof- dabei bleibts halt.

Trotzdem schaue ich auf den Ring an meinem Finger, den er für mich ausgesucht hat, ein Einzelstück, ein Unikat und- wie er aufgeregt flüsterte, in dieser Nacht am Strand, einzigartig wie ich. Er glänzt kalt und funkelt nur aber dann außergewöhnlich, wenn man ihn ins Licht hält. Ein Ring, der ein Versprechen und ein Erkennen in sich trägt.
Und während ich auf ihn schaue, weiß ich etwas, das ich nie wusste, und von dem ich nie ahnte, dass man es so sicher wissen könnte-

Ich bin bei ihm angekommen.
Es gibt niemanden, den ich ihm vorziehen würde. Ich kenne alle seine Fehler, und manche sind schmerzvoll und manche sind unendlich nervig. Ich bin mit ihm durch mehr als eine Hölle gegangen und habe wegen ihm mehrere Nächte durchheult.
Und trotzdem gibt es niemanden, den ich ihm vorziehen würde. Er ist perfekt. Er ist nicht schmerzvoller, als ich es bin. Er ist viel mehr der, der mehr zu verzeihen hatte. Und er hat es stets getan, ohne noch ein Wort zu verlieren, über das was war. Seine Großzügigkeit macht mich fast ehrfürchtig.
Sein Lachen steckt mich an. Das Streiten mit ihm erschüttert mich nicht zu tief. Ich weiß immer, egal wie laut wir werden, dass er mich weiter liebt. Und dass wir wieder zusammen lachen werden, in kurzer Zeit.
Er ist attraktiv für mich, aber das wäre er auch noch, wenn er nicht mehr groß und blond und unfassbar grünäugig wäre. Sein Charakter hat mich längst völlig eingenommen.

Ich bin bei ihm angekommen.
Ich will nirgends anders mehr hin.
Es sollen seine Kinder sein, die ich mal bekomme. Und er soll es sein, der auf der Veranda neben mir sitzt, wenn ich nur noch am Gehstock humpeln kann. Es wird keinen Grund geben, ihn austauschen zu wollen. Seine Einzigartigkeit ist es, die zu meiner passt. Es gibt keinen besseren- nicht für mich.

Es kann ein Wochenende Streit geben, und trotzdem bleibt er der Eine.
Mein Verlobter.
21.6.15 18:55


Manche Gefühle vergehen nie.

Ein Blitz durchfährt mich. Ich halte den Atem an, um dem Schmerz, der sich schlagartig in meinem ganzen Rumpf auszubreiten versucht, keinen Platz zu geben. Ich drehe mich um, lächle in eine andere Richtung und bemühe mich zu atmen. Jetzt nicht taumeln, nicht zucken, keine Regung, kein Blinzeln.

Es gibt Gefühle, die vergehen nie. Dieser Schmerz gehört dazu. Er erzählt von durchwachten Nächten in Hoffnung auf eine Antwort, von Verzweiflungstaten, davon, wie ich war, als ich noch nicht wusste, wie kaputt einen die Liebe machen kann. Von zu viel in zu kurzer Zeit. Von nichts, was übrig blieb.
Er erzählt von einem schwächeren Mädchen in einer anderen Zeit. Von Tränen morgens, mittags, abends, Gefühlsrückfällen und Rachesehnsüchten. Von unkontrollierbarem Verlangen, Liebe, die sich nicht bekämpfen lässt, Enttäuschung, immer wieder, immer nur, Enttäuschung.

Nach einem kurzen Moment habe ich mich gefangen. Mein Puls beruhigt sich, ich spüre meine Beine wieder. Ich streiche meine Haare nach hinten, verwickle meine besten Freundinnen in ein angeregtes Gespräch und schaue nicht zurück.

Nicht zurück schauen. Das hat noch immer funktioniert.
16.5.15 18:56


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